Grenzen setzen als Selbstschutz –

warum ich nicht immer Ja sagen muss

 

Lange Zeit habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was andere von mir denken könnten.

 

Ich wollte niemanden enttäuschen, niemanden verletzen und es möglichst allen recht machen.

 

Oft habe ich Ja gesagt, obwohl ich eigentlich Nein sagen wollte.

 

Vielleicht, weil ich niemanden vor den Kopf stoßen wollte oder weil ich Angst hatte, dass jemand enttäuscht von mir ist.

 

Doch irgendwann habe ich gemerkt, dass ich dabei oft auf mich selbst vergessen habe.

 

 

Warum es nicht immer leichtfällt, Nein zu sagen

 

Ich glaube, viele kennen dieses Gefühl.

Man bekommt eine Bitte, jemand braucht Hilfe oder erwartet etwas von einem, und schon sagt man zu.

 

Erst später merkt man, dass man eigentlich gar keine Kraft oder Zeit dafür hat.

 

Manchmal macht man Dinge, weil man sich verpflichtet fühlt.

Man möchte einfach, dass alle zufrieden sind.

 

Und ja manchmal hat man ein schlechtes Gewissen, wenn man einmal an sich selbst denkt.

 

Doch mit der Zeit kann genau das anstrengend werden.

 

Man fühlt sich ausgelaugt, wird unzufrieden und merkt, dass die eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten angestellt werden.

 

Ich habe für mich erkannt, dass ich nicht für alles und jeden verantwortlich sein kann und möchte.

 

Ich darf anderen helfen, aber ich muss mich dabei nicht selbst vergessen.

 

 

Grenzen setzen bedeutet nicht, egoistisch zu sein

 

Früher habe ich Grenzen setzen oft damit verbunden, jemanden zurückzuweisen oder nicht hilfsbereit zu sein.

 

Heute sehe ich das anders.

 

Für mich bedeutet es, besser auf mich selbst zu achten und mich selbst ernst zu nehmen, was mir guttut und was nicht.

 

Ich darf entscheiden, wie viel ich geben kann und wo meine Grenzen liegen.

 

Nur weil ich etwas nicht möchte, bedeutet das nicht, dass mir ein Mensch egal ist.

Ein Nein auszusprechen heisst nicht gleich, unfreundlich oder egoistisch zu sein.

 

Ich finde, wir sollten viel öfter daran denken, dass auch unsere Zeit, unsere Kraft und unsere Gefühle wichtig sind.

 

 

Es ist in Ordnung, Nein zu sagen

 

Nein zu sagen ist nicht immer einfach.

Besonders dann nicht, wenn man es gewohnt ist, es anderen recht zu machen.

Manchmal erklärt man sich viel zu lange, rechtfertigt seine Entscheidung oder bekommt ein schlechtes Gewissen.

 

Dabei versucht man  immer alles zu erklären,

warum ich nicht kann! 

 

  • Ich darf sagen, dass ich heute keine Zeit habe.
  • Ich darf sagen, dass mir etwas zu viel wird.
  • Und ich darf mir Bedenkzeit nehmen, bevor ich etwas zusage.

 

Ein Satz, der dabei helfen kann, ist:

 

„Ich muss nicht sofort antworten.

Ich darf erst einmal überlegen, ob es für mich passt.“

 

Allein dieser Gedanke kann schon Druck herausnehmen.

 

 

Wenn andere meine Grenzen nicht verstehen

 

Nicht jeder wird begeistert sein, wenn ich plötzlich Nein sage.

 

Manche Menschen sind vielleicht überrascht, andere reagieren enttäuscht. Gerade wenn sie es gewohnt sind, dass ich immer helfe oder alles

(vieles) möglich mache.

 

Trotzdem bedeutet die Enttäuschung eines anderen nicht automatisch,

dass ich etwas falsch gemacht habe.

 

Ich kann Verständnis für andere haben und trotzdem bei meiner Entscheidung bleiben.

 

Wichtig ist, dabei respektvoll zu bleiben.

Grenzen müssen nicht laut oder verletzend ausgesprochen werden.

 

Manchmal reicht es, ruhig und ehrlich zu sagen, was für mich möglich ist und was nicht.

 

 

 

Auf mich selbst zu achten, ist kein Luxus

 

Im Alltag gibt es viele Dinge, die unsere Aufmerksamkeit brauchen.

Familie, Freunde, Arbeit und Verpflichtungen.

 

Da kann es schnell passieren, dass man sich selbst erst dann Zeit nimmt, wenn alles andere erledigt ist.

 

Doch oft ist dann kaum noch Energie übrig für uns selbst.

 

Sich selbst bewusst machen, dass meine eigenen Bedürfnisse nicht

weniger wichtig sind als die der anderen.

 

Ich darf Pausen machen, Zeit für mich brauchen und auch einmal etwas absagen, wenn mir alles zu viel wird.

 

Das gelingt nicht immer sofort.

Alte Gewohnheiten lassen sich nicht von heute auf morgen verändern.

 

Manchmal fällt es leichter, die eigenen Grenzen zu zeigen, und manchmal muss man sich  erst wieder daran erinnern.

 

Aber ich glaube, genau darum geht es:

 

Schritt für Schritt besser auf sich selbst zu hören.

 

 

Ich darf bei mir selbst anfangen

 

Grenzen setzen bedeutet für mich nicht, Menschen auf Abstand zu halten oder niemandem mehr helfen oder unterstützen  zu wollen.

 

Es bedeutet vielmehr, ehrlich mit mir selbst zu sein.

 

Frage dich selbst :

 

  • Was tut mir gut?
  • Was kostet mich zu viel Kraft?
  • Wo sage ich Ja, obwohl ich eigentlich Nein meine?

 

Du  muss nicht auf all diese Fragen sofort eine Antwort haben.

 

Aber du darf anfangen, genauer hinzuhören und meine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen.

 

  • Ich darf freundlich sein, ohne immer Ja zu sagen.
  • Ich darf helfen, ohne mich selbst aufzugeben. 
  • Ich darf Grenzen setzen, ohne mich dafür schuldig fühlen zu müssen.

 


Birgit Witzmann
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